Ein Interview mit Kant (fiktiv natürlich)

Vor ein paar Jahren habe ich mal die Aufgabe bekommen, ein fiktives Interview mit Kant über seinen Kategorischen Imperativ zu schreiben. Weil ich mich jetzt noch einmal in das Thema einlesen muss, habe ich es noch einmal herausgekramt und dabei festgestellt, dass es sich auch gut als Blogeintrag machen könnte. Deshalb jetzt und hier: Ein Interview mit Kant (fiktiv und natürlich ohne Gewährleistung auf Vollständigkeit und Richtigkeit ;)).

Kategorischer Imperativ: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeingültiges Gesetz werde.“

Erste Frage: „Was verstehen Sie unter einer Maxime?

 Maximen sind subjektive, praktische Handlungsgrundsätze, die jedem Menschen zueigen sind. Sie beziehen sich auf Ziele und Vorhaben die der jeweilige Mensch hat und da jeder Mensch andere Ziele und Vorhaben hat, sind auch die Maximen der Menschen verschieden. Eine Maxime, die nicht im Sinne des kategorischen Imperativs geprüft wurde, ist nicht zwangsläufig moralisch, da sie zwar für den Menschen, der nach dieser Maxime handelt vielleicht positive Auswirkungen hat, aber je nach dem mit welchen Mitteln er versucht sie zu erfüllen kann sie eine negative Auswirkung auf seine Umwelt haben.

Zweite Frage: „Was bedeutet „kategorischer Imperativ“ und wodurch unterscheidet er sich vom „hypothetischen Imperativ“?“

Zuerst einmal hilft es, die Wortbedeutung von Imperativ zu klären. Es stammt aus dem lateinischen und bedeutet „befehlen“, ein Imperativ ist also ein Gebot unter das man seine Handlung stellt. Ist eine Handlung nun absolut gut, so ist sie kategorisch, was so viel heißt wie bedingungslos. Der kategorische Imperativ ist also nicht an der Wirkung einer Handlung interessiert, sondern nur daran ob eine Handlung gut ist. Wer nach dem kategorischen Imperativ handelt, achtet nicht darauf ob die gewünschte Wirkung erreicht wird, sondern ob die Handlung selbst moralisch ist. Wenn sie moralisch ist, ist es unwichtig ob die gewünschte Wirkung erreicht wird, da diese ja eine Bedingung an den Imperativ darstellen würde. Der kategorische Imperativ ist ein Gebot, das jeder Mensch mit seiner Vernunft erkennen kann, und daher handeln Menschen, die unmoralisch handeln bewusst gegen diesen Imperativ. Im Gegensatz dazu ist der hypothetische Imperativ ein Gebot, das an die Wirkung der Handlung eine Bedingung knüpft, er ist also nicht wie der Kategorische Imperativ allgemeingültig, sondern gilt nur unter ebendiesen Bedingungen an die er geknüpft ist. Daher verspricht er auch nur das relativ Gute, da die Handlung nur gut ist, solange sie unter diesen Bedingungen stattfindet und die gewünschte Wirkung erzielt (also auch nicht verallgemeinerbar ist).

Dritte Frage: „Ist der Kategorische Imperativ dasselbe wie die Goldene Regel „Was du nicht willst das man dir tu, das füg auch keinem andern zu.“?“

Nein, er ist nicht dasselbe, kann aber manchmal dasselbe bedeuten. Die Goldene Regel ist eine Regel, die nicht allgemeingültig werden kann. Ich würde sie zu den hypothetischen Imperativen zählen, da auch sie an eine Bedingung geknüpft ist, nämlich ob man möchte, dass diese Handlung auch einem selbst zugefügt wird. Sie ist daher nicht verallgemeinerbar und erfüllt somit die Ansprüche des Kategorischen Imperativs nicht.

Außerdem ist die Goldene Regel in ihrer Anwendbarkeit eingeschränkt, mit ihr kann man nur prüfen, ob eine Handlung anderen gegenüber gut ist, nicht ob sie als allgemeines Gesetz moralisch wäre (z.B. Selbsttötung).

Zuletzt ist der Kategorische Imperativ auch weit mehr als nur das, was die Goldene Regel ansatzweise ausdrückt. Wenn man ihn auf eine Handlung anwendet, dann zerstören sich unmoralische Handlungen selbst, da man nicht nur nicht wollen kann, dass die unmoralische Handlungen einem selbst auch widerfahren, sondern wenn man annähme  jeder Mensch würde so unmoralisch handeln wie man selbst, würde man aufgrund der fehlenden Moral jedem misstrauen. Dies wäre ein logischer Fehlschluss und die Handlung würde sich aufheben.

Vierte Frage: „Kann man die Moralität einer Handlung eigentlich erkennen?“

Ja, und der Kategorische Imperativ bietet die Form dafür. Man setze die Handlung ein und prüfe dann ob sie allgemeingültig, absolut (also unabhängig von ihrer Wirkung), widerspruchsfrei und symmetrisch ist. Trifft dies zu, ist die Handlung moralisch. Der kategorische Imperativ ist also ein objektiver Filter mit dem das moralische vom unmoralischen getrennt wird und sollte auch von jedem vernünftigen Menschen angewandt werden können.

 Fünfte Frage: „Wodurch unterscheidet sich ihre Ethik vom Utilitarismus?“

Der Grundsatz des Utilitarismus lautet ja „Das größte Glück für die größte Zahl“, und besagt, das Glück auf die Kosten von Minderheiten möglich ist. Dies entspricht schon nicht mehr der Symmetrie des Kategorischen Imperativs. Auch sagt dieser Grundsatz nichts über die Moralität einer Handlung aus, sondern nur etwas über das Ziel. Doch der Weg zum Ziel ist bei einer moralischen Handlung das wichtigste und nur so kann das absolut Gute erreicht werden. Hinzu kommt außerdem, dass jeder Mensch eine andere Vorstellung von Glück hat, wie will man da das größte Glück für alle erreichen wenn man es nicht kennt? Glück ist also sehr zufällig, nicht verallgemeinerbar und vielleicht stehen sich einzelne Glücksvorstellungen ja auch im Wege, es ist also nicht unbedingt widerspruchsfrei denkbar. Etwas so Zufälliges und Ungreifbares kann gar nicht Grundlage eines Gesetzes sein. Der kategorische Imperativ dagegen ist gar nicht daran interessiert das größte Glück für die größte Zahl zu erreichen, sondern nur daran ob eine Handlung moralisch ist oder nicht. Ob dieses moralische Handeln zum Glück führt ist eigentlich unwichtig, da er ja bedingungslos ist. Allerdings wird das moralische Handeln zu etwas wie Glück führen, da es richtig und gut ist.

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2 Gedanken zu “Ein Interview mit Kant (fiktiv natürlich)

  1. wer gibt denn sowas auf? und wie hat es deinem publikum damals gefallen?
    ich wünschte es wäre etwas länger.

    • Das war ne Aufgabe im Philosophie-Kurs. Er kam glaub ich ganz gut an, zumindest wurde die Verständlichkeit gelobt. Ja, der Text ist recht kurz, aber er ist auch weniger als Einführung gedacht, sondern eher für hinterher, wenn man sich noch Dinge klarmachen will. Zumindest funktioniert er so bei mir, wenn ich mal wieder alles vergessen hab ^^

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