Mündliche Prüfung 1: Das Balladenjahr der Weimarer Klassik

Demnächst habe ich meine mündliche Magisterprüfung in Germanistik. Drei Themen, frei gewählt, jeweils 15 Minuten Redezeit. Alles in allem überschaubar, trotzdem schiebe ich den Termin schon eine Weile vor mir her, weil mehr Zeit ist ja immer besser. Oder auch nicht.

Jedenfalls ist mein erstes Thema „Balladen der Weimarer Klassik“, gewählt, weil ich bei meinem Prüfer die Vorlesung zur Weimarer Klassik besucht habe. Also irgendwie ganz pragmatisch, aber das Thema gefällt mir trotzdem.

Goethe und Schiller in Weimar

Goethe und Schiller in Weimar

Es gibt ein paar wissenschaftliche Streitigkeit bei der Definition der Weimarer Klassik (wann gibt es keine Streitigkeiten?), aber ich verstehe unter Weimarer Klassik den Zeitraum zwischen Goethes Italienreise 1786 als groben „Startpunkt“ des klassischen Einflusses und Schillers Tod 1805. Das passt vor allem deshalb so gut, weil das von mir betrachtete Balladenjahr 1797 hauptsächlich von Goethe und Schiller bestritten wurde. Allerdings mehr aus Spaß, denn die Ballade schien ihnen als literarische Form eher weiter unten angesiedelt zu sein. Trotzdem bezeichnet Goethe die Ballade als das „Ur-Ei“ der Dichtung, denn sie vereint seiner Meinung nach das Epische (Handlung), das Dramatische (Dialog) und das Lyrische (Form) in sich. Und genau diese Eigenschaften machte die Betrachtung der Ballade für die beiden interessant.

An der Balladendichtung lässt sich auch sehr gut die Zusammenarbeit und gegenseitige Beeinflussung der Dichter nachverfolgen. Schillers Ballade „Die Kraniche des Ibykus“ war zum Beispiel ursprünglich als Wettstreit zwischen ihm und Goethe angelegt – wer würde die bessere Ballade aus dem Stoff um Ibykus schaffen? Goethe schreibt dann allerdings gar keine Ballade mehr zu diesem Thema, denn Schiller hat sie in die seiner Meinung nach perfekte und unverbesserliche Form gegossen. Dokumentiert ist diese Entwicklung durch Briefe, Goethes Anmerkungen finden in der Schiller’schen Ballade große Beachtung.

Das ist so das Grobkonzept für die Prüfung, aber ich bin schon gespannt, wie sie am Ende tatsächlich ablaufen wird. Folgende Literatur fand ich übrigens besonders hilfreich in Bezug auf die Balladen, vielleicht hilft’s ja dem ein oder anderen:

Über Balladen allgemein

Weissert, Gottfried: Theorie der Ballade. In: Ballade. Hrsg. v. Gottfried Weissert (Sammlung Metzler, M 192). Stuttgart 1980. S. 1 – 17.

Über klassische Balladen

Weissert, Gottfried: Die Ballade der Klassiker (nur ein Unterabschnitt). In: Ballade. Hrsg. v. Gottfried Weissert (Sammlung Metzler, M 192). Stuttgart 1980. S. 70 – 75.

Reimann, Angelika: „Leben Sie recht wohl und lassen Sie Ihren ‚Taucher‘ je eher je lieber ersaufen.“ Ein Blick in die Dichterwerkstatt Goethes und Schillers im Balladenjahr 1797. In:  Palmbaum, Bd. 5, 1997. S. 6 – 21.

Foto: Andreas Trepte, CC-BY-SA

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